This is Silicon Dwelling

Als ich den Lötkolben aus der Hand legte, den Laptop zuklappte und den letzten Roboter in den Schrank stellte wurde mir klar, es gibt nichts mehr zu tun. Das Ziel war erreicht, alle Aufgaben erledigt.
Prächtig waren sie geworden. Ideen gab es noch genug - aber sie umsetzen...?
Die Software würde komplexer, ebenso die Schaltungen. Grundlagen müssten breiter erarbeitet werden, wie Algorithmen zur Erkennung des Umfeldes, oder die Erweiterung der Elektronik. Alles ein bischen viel zu viel für ein Hobby.

Und irgendwie war da jetzt ein Loch.

Etwas neues musste her. Was könnte ich bauen? Verschiedenste Ideen kamen mir in den Sinn, wie z.B. ein autonomer Rasenmäher mit einer Infrarot - Ultraschall basierten Positionsbestimmung, oder ein Fensterputzroboter, den man einfach an die Scheibe klebt, ein Mikrocontroller gesteuertes, programmierbares Labornetzteil mit Akku Lade- Entladeeinrichtung und Ladungsmessung. Ich überlegte sogar die Kaffee-Abrechnung der Kollegen zu automatisieren mit RF-ID Transpondern unter den Tassen, einem Server der die Daten erfasst und die Kontostände regelmäßig per Mail verschickt!

Völlig Verrückt!

Aber Moment, da war doch noch eine Software, über die ich während der Roboter-Bauerei gefallen war und mit der ich noch spielen wollte - Blender 3D.

Damit kann man drei dimensionale Modelle erstellen und animieren, oder fotorealistische Bilder davon rendern. Ich erinnerte mich an die 486'er Zeiten Ende der Neunziger, an Povray und an das stundenlange rechnen von Bildern. (Und wenn die Bilder endlich fertig waren hat man meist noch einen Fehler gefunden.)
Mit Blender könnten heute Dinge, die mich damals Tage kosteten, in ein paar Stunden erledigt sein.
Nach einigen Wochen Tutorials lesen und Übungsmodelle erstellen war mir klar, welche Dinge mit Blender möglich sind. Clips erstellen, kurze Filme machen, oder einfach nur verrückte Visionen in einer virtuellen Welt Wirklichkeit werden lassen. Es gibt keine Grenzen. Äh, außer - Zeit.

Dennoch könnte ich den Dingen, die mir jeden Tag durch den Kopf gehen eine Gestalt geben. Und was lag näher, als Roboter zu modellieren? Nur - wie sollten sie aussehen? Was wäre ihr Zweck? Wie sollten sie agieren?
Eine Geschichte, eine Story musste her.

Könnten Roboter unsere Nachfolger in der Evolution sein? Wie müssten sie gebaut sein, was müssten ihre Gehirne, ihre Software leisten, welche Sensoren bräuchten sie? Wie und unter welchen Voraussetzungen würde eine solche Zivilisation entstehen? Und vor allem - wie sieht diese Gesellschaft aus?

Mit diesen Fragen im Kopf entstand die Welt um Silicon Dwelling, einem simplen Computerprogramm das "Ding" werden wollte.